Pädagogik

Wir freuen uns wenn Kinder und Erwachsene einen Bezug zur Landwirtschaft bekommen. Jeden 1. Samstag im Monat bieten wir eine öffentliche Hofführung an. Gerne können sie vorher Bescheid geben, am besten per Email an: laden@hof-sackern.de

Der Verein Hof Sackern e.V. hat in seiner Satzung das Ziel des Heranführens von Erwachsenen und Kindern an die Landwirtschaft. Somit betreibt eine Betriebsgemeinschaft im Namen des Vereins einen möglichst vielfältigen Hof von rund 62 ha im südlichen Ruhrgebiet. Neben der Haltung von Milchkühen, Milchziegen, Schweinen, Hühnern, Schafen, Pferden und Bienen, sowie der Verarbeitung der tierischen Produkte werden vor allem Gemüse, Kartoffeln und Getreidearten angebaut und veredelt.

Generell sehen wir uns als ‚offenen Hof‘ und laden Kunden und Besucher zu den Öffnungszeiten ein die Stallungen zu besuchen, den Gemüseacker wahrzunehmen und auf dem Hof zu verweilen. In Verbindung mit einem Cappuccino findet das vor allem bei jungen Familien großen Anklang, so dass vor allem im Frühjahr, Sommer und Herbst der Hof an Ladentagen (Di, Fr, Sa) gut gefüllt ist.

Darüber hinaus finden einige Veranstaltungen oder Initiativen auf dem Hof statt. Manche sind von uns ausgerichtet, wie zum Beispiel die Hoffeste zum 1. Mai, zu Johanni, zu Erntedank und auch das Christgeburtsspiel im Stall. Oftmals bietet der Verein anderen Trägern aber auch die Möglichkeit, den Hof für ihre Aktionen in Zusammenarbeit mit uns zu nutzen. Eine Übersicht über die ungefähren Zahlen liegt dem Text bei. Im folgenden sollen einige der Impuls aufgeführt und etwas erklärt werden, insbesondere in wie weit sie durch unsere geplanten Baumaßnahmen vervollständigt werden. Generell tragen alle Maßnahmen dazu bei, dass der Hof wie er jetzt betrieben wird auch in Zukunft wirtschaftlich dasteht, und somit die gemeinnützigen Aktivitäten auch weiterhin stattfindenden können. Im einzelnen stehen aber auch konkrete Zwecke in Verbindung mit den neuen Gebäuden:

An jedem Tag in der Woche sind Gruppen von Kindergärten und/oder Schulen auf dem Hof. Seit den 80er Jahren besteht zum Beispiel eine feste Verbindung zu den örtlichen Waldorfschulen und Kindergärten. In den letzten Jahren kamen aber auch vermehrt die lokalen Grund- und weiterführenden Schulen hinzu. Viele davon kommen zu einer gebuchten Führung, aber einige arbeiten auch tatkräftig mit zum Beispiel beim Pflanzen im Frühjahr oder bei Ernteeinsätzen im Herbst.

Eine unserer Betriebsleiterinnen hat sich als Hof-Pädagogin dem Thema eigens verschrieben, und bringt als ausgebildete Lehrerin auch für die älteren Kinder die Thematik der Tiere, der Kreisläufe in der Natur und des landwirtschaftlichen Betriebes mit ein.

Jedes Jahr kommt eine 3. Klasse im Rahmen der Ackerbau-Epoche ‚vom Korn zum Brot‘. Ein Stück Acker wird von Hand gepflügt, geeggt und mit Roggen zu bestellt. Dieser wird im Sommer danach von den Klassen gedroschen, gereinigt und gemahlen. Mit dem Bau der Bäckerei wird die Möglichkeit geschaffen, diesen Prozess zu vollenden, in dem die Schulklassen dann im Backraum den Teig selbst zubereiten und daraus die Brote formen können. Im Außenbereich der Bäckerei soll ein Holzbackofen aus Lehm errichtet werden, in welchem die Kinder in Zukunft das Backen mit der Kraft des Feuers erfahren können.

Ganz aktuell wurde letztes Jahr ein eigener kleiner Kindergarten Verein, der Kindergarten Sonnenhut e.V., gegründet. Abgeleitet ist der Name von der Echinacea-Pflanze, zur Stärkung des Immunsystems. Dieser Verein soll eine ein-gruppige Einrichtung auf Hof Sackern betreiben, und Kindern aus unserer Umgebung damit die Möglichkeit geben, nicht nur zu Aktionen sondern das ganze Jahr über den Hof zu erfahren.

Seit 2003 findet jeden Sommer das Sommerlager der Tagesklinik der Kinderpsychiatrie des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke (Sterntaler e.V.) auf Hof Sackern statt. Über die Zeit von 6 Wochen lernen die Kinder jeden Tag in der Woche das Hofleben kennen, und packen vor allem auch mit an. Gerade für Kinder z.B. mit einer erhöhten Angst-Veranlagung ist das Füttern der Schweine eine gute Möglichkeit, um zusammen mit einem Betreuer diese Ängste zu überwinden. Mit regelmäßig wechselnden Patienten kommt die Tagesklinik dann auch den größten Teil des Jahres für einen Nachmittag pro Woche, und erlebt so den ganzen Jahreslauf.

Ebenfalls im therapeutischen Spektrum liegt die Arbeit des Haus St. Martin, welche mit einer Wohngruppe wöchentlich einen Nachmittag den Hof erlebt und ebenfalls bei kleinen Aufgaben mitarbeitet.

Dasselbe gilt für die Raphael-schule aus Gelsenkirchen, welche für ihr Landwirtschaftspraktikum der 9. Klasse gesammelt eine Woche auf dem Hof mitarbeitet.

Außer der Arbeit mit Gruppen von Kindern und Erwachsenen, bieten wir Schülern der Mittel- und Oberstufe Praktikumsplätze zur Berufsfindung und/oder als Landwirtschaftspraktikum an. Für immer 3 Wochen kommen je 2 Schüler um bei uns zu wohnen und zu arbeiten. Dies ist gerade in der Pubertät für die Heranwachsenden sehr eindrücklich, und viele kehren nach Hause zurück mit einer anderen Wertschätzung für die Arbeit, welche hinter der Erzeugung von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln steckt. Alle machen auch ihre Erfahrung beim Melken der Ziegen. Momentan können wir die Milch nur bedingt mit Schülern weiterverarbeiten. Mit dem Bau der Käserei können die Schüler die Herstellung von Frisch- und Weichkäse aus Kuh- und Ziegenmilch erleben.

Des weiteren sind wir auch Teil der biologisch-dynamischen Ausbildung im Westen, früher unter dem Namen Freie Ausbildung. Je nach Jahr bilden wir bis zu 4 Lehrlinge zu Gemüsebauern und Landwirten aus. Immer mehr junge Menschen aus der Stadt möchten gerade den Gemüsebau erlernen. Im Sommerhalbjahr ist die Ausbildungssituation bei uns auch jetzt schon gut, da die Arbeit vor allem auf dem Feld stattfindet. Wenn es jedoch ans Lagern und Aufbereiten von Kürbissen, Wurzel- und Kohlgemüse geht sind die Zustände nicht in Ordnung, so dass große Verluste entstehen. Die Arbeitsbedingungen sind auch nur bedingt tragbar, da bisher alles im Außenbereich stattfindet, was bei schlechter Witterung und besonders Frost problematisch ist.

Auch in unserer neuen Bäckerei wird die Ausbildung Thema werden, denn unser frisch gewonnener Bäckermeister, welcher seit diesem Jahr für uns arbeitet, bringt auch die entsprechende Qualifikation mit, und kann somit in den dann angemessenen Räumlichkeiten ausbilden.

Im Bereich des Naturschutzes nutzt das Institut für Pflanzensoziologie in Person von Hans-Christoph Vahle den vielfältigen Hof mit den diversen Biotopen für die Feldbotanik-Ausbildung. Hierfür reisen zum Beispiel Landschaftsplaner, Biologen und Privatpersonen aus der ganzen Republik an.

Zuletzt finden diverse Hofführungen statt, für Gruppen von Erwachsenen und Kindern. Diese sind zum Teil vorab organisiert, z.B. von Gruppen von Naturschutzverbänden, Slow-Food o.ä., sind aber an jedem 1. Samstag im Monat auch offen für spontan entschlossene.

Dies sind einige Beispiele wie ein landwirtschaftlicher Betrieb ein Erzeuger von biologisch-dynamischen Nahrungsmitteln ist, aber vor allem dazu dient um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Landwirtschaft näher zu bringen. Für uns ist in diesem Unterfangen elementar, dass der Hof ein funktionierender und produzierender Betrieb ist, und eben kein Schulbauernhof. Wir sind überzeugt davon, dass es einen Unterschied macht ob eine landwirtschaftliche Situation ‚künstlich hergestellt‘ wird, oder ob das Füttern der Schweine oder das Ernten der Roten Beete auch bei Regen aus der Notwendigkeit der Sache heraus geschehen muss.